Unser Aufenthalt am Vesuv, der größten Schuttgrube der Welt

Der Vesuv liegt am Golf von Neapel ist knapp 9 Kilometer von diesem entfernt und hat im Herbst des Jahres 79 v. Chr. Pompeji ausgelöscht. Dank seiner typischen Kegelform und einer Höhe von knapp 1300 Meter gehört er zu den beeindruckendsten Vulkanen. Soweit die gängigen Fakten.

Eines gleich vorweg, es geht mir bei diesem Artikel rein um den Besuch des Vesuvs. Weder möchte ich auf Pompeji, noch Neapel oder den wunderschönen Golf von Salerno eingehen. Vielmehr handelt es sich um eine persönliche Impression zu diesem beeindruckten Stück Mineralblock.

Nur mit dem Bus

An den Kraterrand des Vesuvs gelangt man nur mit dem Bus, zumindest gibt es keinen offiziellen Fußweg dorthin. Die touritypische Busfahrt dauert annähernd 40 Minuten und führt einen serpentinenartig und nonstop bis fast an die Spitze des Vulkans, zumindest wenn der Magen mitmacht. Ansonsten werden kurze Pausen eingelegt, zum Leid der anderen Fahrgäste.

Der Bus fährt einem bis auf etwas mehr als 1000 Höhenmeter, die restlichen knapp 180 Höhenmeter müssen zu Fuß bewältigt werden. Für Personen mit Handicap oder mit exorbitanten Übergewicht samt übersteigerten Selbstbewusstsein, gibt es ein vulkaneigenes Notfallfahrzeug mit 4×4 Antrieb.

Die knapp 1000 Meter Wegstrecke führen mir mit jedem Schritt die gewaltige Zerstörungskraft des Vesuvs vor Augen. Hat man Anfangs noch einige Bäume und mannshohe Büsche an seiner Seite, ändert sich das Bild beinahe mit jedem Schritt.

Nur ein paar Gehminuten später findet man sich in einer viel trostloseren Gegend wieder. Spätestens jetzt sollte auch der letzte Depp begriffen haben, dass es sich hierbei nicht um einen normalen Berg handelt.

Unweigerlich taten sich mir parallelen zu Frodo Beutlins Weg zum Schicksalsberg von Mittelerde auf. Einzig das Ge­brab­bel der anderen Besucher stört die einzigartige Atmosphäre ein bisschen. Blendet man diese aber aus, muss man unweigerlich anerkennen das der Vulkan schon hier echt respekteinflößend ist.

Die vermutlich größte Schuttgrube der Welt

Oben angekommen hörte ich folgendem Satz und musste dabei echt schmunzeln:

“hmm, sieht aus wie eine Riesen Schuttgrube”.

Und tatsächlich, wüsste man nicht das der Vesuv ein speiender Berg war/ist, würde man ihn echt für eine Schuttgrube halten. Zugegebenermaßen für eine wirklich sehr große Schuttgrube.

Dann holt man sich aber in Erinnerung, dass der “Berg” für die Vernichtung von tausenden von Menschen verantwortlich war und sicherlich auch irgendwann mal wieder sein wird.

Dieses Gefühl habe anscheinend nicht nur ich, den die Lautstärke der Konversation wurde leiser als noch Bergauf. Man könnte beinahe von einer ehrfürchtigen Stille sprechen, soweit das eben mit knapp 100 Besucher möglich war.

Nein, scherz beiseite, es ist eine andere Stimmung da oben. Schafft man es jetzt noch das Gemurmel der anderen Besucher auszublenden, was einem aus besagten Gründen nicht mehr so schwer fällt, kann man den Tod geradezu spüren. Das ist jetzt keine hohle Phrase! Es gibt beinahe keine Vegetation, kein Gezirpe oder Gezwitscher ist zu hören, dafür dampft es lautlos aber irgendwie unheimlich aus ein paar Ritzen der Flanke des Berges.

Gibt man sich der Unwirtlichkeit da oben hin und wirft einen Blick in die entgegengesetzte Richtung, zwängt sich gerade zu der Vergleich mit einem schlafenden Drachen auf.

Ist doch Neapel, wie schon damals Pompeji, auf das Wohlwollen des Vulkans angewiesen. Mit einem Unterschied! Sollte der Vulkan sich entscheiden noschmals auszubrechen, werden dieses mal nicht tausende, sondern hunderttausende Tode zu beklagen sein und ganz so unwahrscheinlich ist das Szenario nicht!

…der amerikanische Vulkanologe Michael Sheridan und Mastrolorenzo legten ein Intervall von etwa 2000 Jahren zwischen den heftigsten Eruptionen zugrunde. Sie berechneten, dass die Wahrscheinlichkeit eines großen Ausbruchs zurzeit höher ist als 50 Prozent. Und von Jahr zu Jahr nimmt sie ein wenig zu..

https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-zivilisation/der-vesuv-bricht-er-bald-wieder-aus

Tatsächlich weiß keiner genau wann es wieder so weit sein wird. Sicher ist nur das es passieren wird und katastrophal sein wird. Plötzlich ist der Blick zurück zum Kraterrand noch beklemmender als vorher.

Der schlafende Drache, von dessen Existenz nur noch das ausatmen seines Rauches zeugt, ist immer noch am Leben. Er schläft, lebt aber noch. Selbst meine Frau war für ein paar Minuten respektvoll in schweigen gehüllt und weiß Gott, dass passiert äußerst selten.

Mein Fazit

Natürlich nimmt jeder den Ausflug zum Kraterrand des Vesuvs anders wahr. Mit Kumpels nach einem ausgiebigen Besuch in der Osteria, wären meine Eindrücke mit Sicherheit auch anders gewesen. Dieses mal war ich aber bedächtiger und folglich empfänglich für die Nachwehen der rohen Wildheit des Berges, was mir einen unvergesslichen Tag beschert hat.

Das bringt mich Schlussendlich zu meiner Überschrift. Nein! Mit Sicherheit ist für mich der Vesuv nicht die größte Schuttgrube der Welt, sondern ein respekteinflößender Zeuge unserer Hilflosigkeit gegenüber der Natur.

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